Abbatiale Bellelay

02.07–11.09.2022

Beatitude

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Aufgrund der Konzerte der Battements de l’Abbatiale ist die Ausstellung samstags nicht zugänglich. Sie bleibt in einer neu gestalteten Form von Sonntag bis Freitag geöffnet.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.

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Die Anlage von Bellelay ist weit mehr als nur ein starres Monument und zeichnet sich im Gegenteil durch ihre Wechselhaftigkeit und Heterogenität aus. Die Abteikirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts im Stil des Spätbarocks auf den Überresten einer romanischen und einer gotischen Kirche aus dem 12. beziehungsweise dem 16. Jahrhundert erbaut. Nach der Besetzung der Region durch napoleonische Revolutionstruppen wurde sie 1797 entweiht. 1899 erfolgte die Umwandlung des ehemaligen Klosters in eine psychiatrische Klinik, welche Ende Juni 2022, also nach insgesamt 123 Jahren, nach Moutier auszog. Die in den 1960er-Jahren renovierte Kirche ist seit den 1970ern regelmässig Schauplatz von Ausstellungen, Orgelkonzerten und weiteren musikalischen
Veranstaltungen. Für diesen Sommer bereiteten wir die Ausstellung Beatitude von Emanuel Rossetti vor und freuten uns, damit die ebenso verheissungsvolle wie offene Zukunft der Anlage einzuläuten.

Wie wir wenige Tage vor der Vernissage erfahren haben, ist ein Teil dieser Zukunft jedoch bereits definiert. Laut einer Medienmitteilung der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern wird in einem der ehemaligen Klinikgebäude ein kantonales «Rückkehrzentrum» für Familien abgewiesener Asylbewerber eingerichtet, das ab dem 15. Juli seinen Betrieb aufnehmen
wird.

Wir sind uns unsicher, welche Rolle die zeitgenössische Kunst in einem solchen Kontext spielen kann. In den vergangenen Tagen haben wir den Aufbau der Ausstellung revidiert, um bewusst gewisse Überschneidungen zu vermeiden. Die Ausstellung präsentiert sich nun als suspendiert. Die Landschaftspanoramen welche als holographischen Foto-Rundgang im Garten der Abtei angedacht waren, wurden abgebaut. Im Innern der Kirche realisiert eine multimediale Installation von Staged Worlds, einer Kollaborations-Form von Emanuel Rossetti mit Stefan Tcherepnin (*1977, Boston), eine verschlungene Tautologie, in der das Publikum aktiv die Rolle des Dirigenten spielt, der Vernunft mit Spiritualität und die Windungen der Kunst mit den Echos der Architektur verbindet.

Im Chor der Kirche sind in acht Schaukästen weitere, paarweise angeordnete Fotografien von Landschaften ausgestellt. Die quadratischen, auf Tischen unter Glas liegenden Abzüge laden die Betrachter*innen dazu ein, sich vom Kontext loszulösen, um in die Intimität dieser geografischen Fragmente einzutauchen. Rossetti hat die meisten dieser Bilder im Zuge der Vorbereitung auf die Ausstellung auf Streifzügen durch den Jura angefertigt. Nach welcher Systematik seine Erforschung der regionalen Landschaft erfolgt ist, bleibt offen. Jedes Fotopaar weist sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede auf, die einen Konvergenzeffekt und eine stereoskopische Entkopplung bewirken.

Mittels Interferenzen, Überlagerungen, Schleifen, Echos und Gegenüberstellungen von Polaritäten sollte Beatitudedie ungewisse Zukunft von Bellelay reflektieren. Diese Ungewissheit betrifft nun jedoch die Leben vor einer Ausschaffung stehender Menschen. Dies macht das Spektakel einer Kunstausstellung überflüssig.

Öffnungszeiten: Di-So, 10-20 Uhr
Schlüssel der Klosterkirche an der Rezeption des Hôtel de l’Ours oder des Maison de la Tête de Moine erhältlich

Während Konzerten und Proben kann das Ausstellungserlebnis behindert werden (siehe Programm hier). Wir empfehlen Ihnen, Besuchstage ohne Konzert zu bevorzugen. Vielen Dank für Ihr Verständnis

Künstler
Emanuel Rossetti, Staged Worlds
Mit der Unterstützung von